Die Ritter von Reimershusen

    Das Geschlecht derer von Reimershusen ist seit dem Jahre 1255 urkundlich belegt: Das Zevener Urkundenbuch Nr. 21 nennt einen Fridericus de Reimershusen, miles. Der namensgebende Sitz der Familie ist das Gut Rittershausen I in Balje, Ortsteil Baljerdorf, Bauernschaft Rittershausen. Als sich der Familienname der Besitzer durch Einheirat änderte, wurde der Hofname von Reimershusen auf Rittershausen verallgemeinert.

  • Laut Mushard soll bereits 1142 ein Friedrich von Reimershusen bei der Gründung des Marienklosters bei Stade belegt sein. Dieser bezeugte jedoch erst 1284 eine Kopie der angeblichen Stiftungsurkunde. Friedrich war Ministerial des Erzbischofs in Bremen, repräsentierte ihn in Kehdingen und Dithmarschen, und unterschrieb Dokumente in den Jahren 1255, 1257, 1262, 1265, 1268, 1270, 1272, 1284 und 1286. Er dürfte um 1225 geboren sein. Er hatte Söhne Bartold, Otto und Friedrich.

  • Otto von Reimershusen unterschrieb als Ritter des Erzbischofs in den Jahren 1305, 1306, 1309 und 1314. Jahrgang etwa 1250. 1305 werden seine Söhne Bartold, Henrich und Nicolaus aufgeführt.

  • Bartold von Reimershusen ist um 1275 geboren und nur 1305 belegt. Hiernach tritt die Familie in den Schatten, bis der Leitname Bartold 4 Generationen später (zweimal von Großvater auf Enkel vererbt) wieder erscheint.

  • 1337 unterschreibt ein weiterer Otto von Reimershusen als Ritter.

  • In 1438 sind die Stiftsknappen Bartold und Basilius von Reimershusen im Kirchspiel Freiburg belegt. Sie gehören in die 1400-er Generation. Ihr Bruder oder Vetter war Hermann von Reimershusen mit den drei Söhnen: Pawel, Marquart und Austin.

  • In 1465 genehmigten drei Brüder - wohl Söhne des Knappen Bartold - Claus, Jochim und Ghert von Reimershusen einen Kaufvertrag. Der mittlere Jochim wäre um 1440 geboren. Durch ihn wurde das Gut Rutenstein bei Freiburg erworben, welches sich zum Stammsitz der bekannteren Linie ("Rosenkranz, Werderhof, Rutenstein und Ritterhude") entwickelte. Jochim war Grefe in Nordkehdingen und verheiratet mit Jutta von Luneberg.

  • Jochims Sohn war Lühr (Ludolf) von Reimershusen, um 1475 geboren und am 10.2.1505 im Besitz des Gutes Rutenstein. Er starb noch vor der Hochzeit seiner Tochter Barbara in 1534. Seine Frau war Geseke von der Hoya. Sie war 1543 noch am Leben.
    NB: Lühr und Barbara sind auch Vorfahren von Claus von Amsberg.

  • Unsere Stammlinie beginnt mit Marquart von Reimershusen auf dem Gut Balje III. Er war etwa Jahrgang 1515 und erschien in den Ritterrollen von 1551 bis 1559 mit einem Pferd. Wappen der Familie von Reimershusen1572 noch einmal ein Pferd, mit der Bemerkung "leßt sich auch nicht entschuldigen", d.h. fehlte aus irgendwelchen Gründen bei der Musterung. 1574 besaß sein Sohn Heinrich von Reimershusen den Hof und Titel. Dieser Heinrich verpachtete (1577, 1581) die Ländereien an einen Holländer, der dort 20 Milchkühe hielt. Diese "Vermarktung" des Besitzes führte letztendlich zur Erbteilung.

  • Marquarts jüngerer Sohn hieß ebenfalls Marcus (Maeß) von Reimershusen. Er war um 1547 geboren und mit Gereke Gruben verheiratet. 1577 zahlte er 1 Mark 15 Schillinge Steuern, besaß also offensichtlich kein eigenes Land und damit auch kein Rittergut. 1578 zahlte er einen ähnlichen Betrag (½ Thaler) für einen Halbhof in Balje. 1583 stand er dann - als Nachfolger des Bruders - mit einem Pferd in der Ritterrolle. In den Pestjahren zwischen 1609 und 1617 ging Marcus in Konkurs and mußte mindestens 52 Morgen der Ländereien (mit 2/3 des dazugehörigen Rittertitels) an seinen Schwager Hackeborn verkaufen. Sein Gut müßte demnach um die 80 Morgen groß gewesen sein.

    1615 wurde er im Alter von 68 Jahren dann als Deichgrefe erwähnt. Dies war im Zusammenhang mit einem Prozeß, in dem er aussagte, daß die von Reimershusens als eine von nur drei alten Familien in Kehdingen nicht zur Deicherhaltung gezwungen werden könnten.

  • Marcus' Sohn Christoff von Reimershusen, um 1570 geboren, heiratete eine Tochter von Johann Brummer in Stade. Sie erbten von einem Paul Brummer ein kleines Gut mit 19 1/3 Morgen Land in Drochtersen, bewirtschafteten es eine Zeitlang selber, aber verpachteten es dann. Als Kinder sind Marcus, Johann, Christoff, Harbert und Salome bekannt.

    Am 20.5.1625 kam Christoff als Deichgrefe ins väterliche Balje zurück. 1638 setzt die Ritterrolle wieder an: Christoffs adelige Roßdienste sind ein symbolisches 1/3 Pferd für 26 Morgen Land. 1647 besaß er nurmehr 4 ½ Morgen Eigenland - den Hofplatz Hörne I in der Naljer Bauernschaft - und hatte 14 Morgen von der Kirche zugepachtet. Seine Erklärung, daß das Kirchenland schon immer zum Hof gerechnet wurde, setzte sich unter den Schweden nicht mehr durch: Ab 1651 erscheint er nicht mehr in der Ritterrolle.

    Hiermit endete der Adel, welcher immer an Landbesitz und Roßdienste gekoppelt war.

  • Christoffs zweiter Sohn Johann von Reimershusen, nach dem Großvater benannt, dürfte um 1595 geboren sein. Er wechselte auf das linke Ufer der Oste über: Ab 1630 war er Amtsmeyer in Neuhaus, wo er 23 Wenden Land von Hermann von Ahnen übernahm. War das eventuell sein Schwiegervater? Auch pflügte er auf Dauer 1 Wende 16 Ruthen, die einem Heinrich Dodegge gehörten. 1645 saß er als Pächter auf dem Vorwerk in Neuhaus. 1664 wurde er als Musketier gemustert und 1667 letztmalig - als Besitzer einer Grabstelle an der neuen Kapelle - erwähnt.

  • Sein Sohn Bartelt von Reimershusen wurde 1647 in Neuhaus an der Oste geboren. Er war ein Herrenmeyer aufm Damm. 1675 erscheint er als Musketier. Etwa 1688 heiratete er eine Margareth. 1691 war er Dammmeyer, 44 Jahre alt, ausdrücklich ohne Sohn über 14 (d.h. Neel von Reimershusen in Dingwörden muß sein Neffe gewesen sein). 1710 wurde er dann als Erbexe und Vollhöfner bezeichnet: Der Hof war zum persönlichen Besitz geworden. Am 28.4.1718 starb er, und sein Sohn Harbert wollte den Hof weiterführen, starb jedoch auch gleich. Dies war höchstwahrscheinlich die Folge von schwarzem Schimmel in den Häusern, nach einem schweren Deichbruch im Winter.

  • Bartelts ältester Sohn Johann von Reimershusen wurde um 1689 geboren. Er heiratete am 15.11.1707 Agnete Dodegge und war Krüger in Neuhaus, wohl weil der Vater nicht den Hof übergab. Dieser sollte an den zweiten Sohn gehen. 1719 erbte Johann dann alles, führte jedoch auch noch den Krug weiter. Agnete starb 1720, und Johann heiratete Alheit Drewes von der Balje. 1745/46 war er der drittgrößte Steuerzahler im Dorf. Er starb nach 1760, nicht im Kirchspiel Neuhaus, ist also vielleicht nach Balje aufs Altenteil gegangen.

  • Sohn Johann Jürgen von Reimershusen führte Hof und Krug weiter. Am 14.1.1734 geboren, heiratete er am 24.2.1760 Anna von Spreckelsen vom Hollanderhof. Johann Jürgen und Anna gaben ihrem dritten Sohn nochmals den alten Namen Bartold. Bartold verunglückte jedoch mit 10 Jahren, erstickte unter einem umgekippten Fuder Korn, womit der Leitname nach 479 Jahren endgültig ausstarb. Ab 1786 erschien Johann Jürgen im Kirchenbuch als gewesener Hausmann: Vermutlich übergab er den Hof an seinen Sohn Johann, der schon 1791 an Tuberkulose starb. Johann Jürgen selber war ab 1786 nur noch Krüger in Neuhaus. Am 26.3.1807 starb er.

  • Tochter Alheid von Reimershusen wurde am 26.12.1763 in Neuhaus geboren und notgetauft. Alheid heiratete am 2.8.1782 den Bauernsohn Johann Hinrich Wichmann aus Belum. Dieser wurde 1782 bis 1794 als Hausmann in Neuhaus aufgeführt, dann als Käthner. Er starb noch vor ihrem Vater. Sie scheint danach den Krug alleine weitergeführt zu haben, aus dem der Schlichtingsche Kramladen hervorging. Sie verstarb am 28.10.1840 als Letzte derer von Reimershusen.